CLIMATE JUSTICE NOW! The Durban Declaration on Carbon Trading
Klimagerechtigkeit jetzt! Die Durban-Erklärung zum Kohlenstoffhandel
Als Vertreter von Bürgerbewegungen und unabhängigen Organisationen weisen wir die Behauptung zurück, dass der Kohlenstoffhandel die Klimakrise stoppen könne. Diese Krise wurde in aller erster Linie durch die Förderung fossiler Brennstoffe und die Freisetzung ihres Kohlenstoffs in die Meere, in die Luft, auf die Erde und auf die Lebewesen verursacht. Die exzessive Verbrennung fossiler Brennstoffe gefährdet jetzt die Fähigkeit der Erde, ein lebenswertes Klima zu bewahren.
Regierungen, Exportkredit-Agenturen, Konzerne und internationale Finanzinstitutionen unterstützen und finanzieren weiterhin die Suche nach Lagerstätten und Förderung fossiler Brennstoffe und andere Aktivitäten, die die globale Erwärmung verschlimmern, wie das Abholzen und die Zerstörung der Wälder in großem Maßstab, während sie der erneuerbaren Energie nur geringfügige Summen widmen. Es ist insbesondere bestürzend, dass die Weltbank vor kurzem den Empfehlungen ihrer eigenen Untersuchung zur Rohstoffindustrie zuwiderhandelte, die dazu aufruft, die Finanzierung der Förderung von Kohle, Öl und Gas auslaufen zu lassen.
Wir klagen die weitere Verzögerungen der Beendigung der Förderung fossiler Brennstoffe an, die von Versuchen von Konzernen, Regierungen und den Vereinten Nationen verursacht wird, einen "Kohlenstoffmarkt" aufzubauen, der einen Markt zum Handel mit "Kohlenstoffsenken" einschließt.
In der Geschichte haben wir gesehen, wie versucht wurde, Land, Nahrungsmittel, Arbeitskraft, Wälder, Wasser, Gene und Ideen zur Ware zu machen. Der Kohlenstoffhandel tritt in die Fußstapfen dieser Geschichte und verwandelt die Fähigkeit der Erde zum Kohlenstoffkreislauf in Eigentum, das auf einem globalen Markt gekauft und verkauft werden kann. Durch den Prozess zur Schaffung einer neuen Ware - Kohlenstoff - geht die Möglichkeit und Fähigkeit der Erde, ein das Leben und menschliche Gesellschaften förderndes Klima zu unterstützen, in die Hände derselben Konzerne über, die das Klima zerstören.
Diese Umwandlung in eine Ware und die Privatisierung muss den Menschen auf der ganzen Welt bewusst gemacht werden und sie müssen aktiv einschreiten, um den Schutz des Erdklimas sicherzustellen.
Der Kohlenstoffhandel wird nicht dazu beitragen, diesen Schutz des Erdklimas zu erreichen. Das ist eine falsche Lösung, die in vielerlei Hinsicht die sozialen Ungleichheiten festigt und vergrößert:
- Der Kohlenstoffmarkt schafft übertragbare Rechte, Kohlenstoff in der Luft, in den Meeren, in der Erde und in der Vegetation abzuladen, was die Aufnahmefähigkeit dieser Systeme weit übersteigt. Diese Rechte werden im Wert von Milliarden von Dollar umsonst an die Elektrizitäts-, Eisen- und Stahl-, Zement-, Papier- und Zellstoff- und an andere Konzerne in den Industrieländern vergeben, die die größten Emitter von Treibhausgasen sind, die Klimakrise verursacht haben und diese Systeme bereits am meisten ausbeuten. Die Kosten für die zukünftige Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe werden wahrscheinlich unverhältnismäßig dem öffentlichen Sektor, der Gemeinschaft, den indigenen Völkern und den Steuerzahlern zur Last gelegt.
- Der Mechanismus der sauberen Entwicklung (Clean Development Mechanism - CDM) des Kyoto-Protokolls ebenso wie viele Handelsprogramme des privaten Sektors ermuntern die Industrieländer und ihre Konzerne, preiswerte Kohlenstofflager zu finanzieren und zu schaffen wie Baumplantagen in großem Maßstab im Süden als lukrative Alternative zur Reduzierung der Emissionen im Norden. Andere CDM-Projekte wie die Programme zur Reduzierung der Chlor-Fluor-Kohlenwasserstoffe (HCFC) konzentrieren sich auf End-of-Pipe-Techniken und tragen nichts zur Reduzierung der Auswirkungen der Industrie der fossilen Brennstoffe auf die Gemeinschaft bei. Zusätzlich stellen diese Projekte das winzige Volumen der Projekte für erneuerbare Energien in den Schatten, die die Schönfärberei der nachhaltigen Entwicklung der CDMs bilden.
- Die Auswirkungen der Industrien fossiler Brennstoffe und anderer Treibhausgas produzierender Industrien wie Entlassungen, Umweltverschmutzung oder Klimawandel werden bereits unverhältnismäßig von kleinen Inselstaaten, Küstenbewohnern, indigenen Völkern, Kommunen, Fischern, Frauen, Jugendlichen, Armen, Alten und Randgruppen wahrgenommen. CDM-Projekte verstärken diese Auswirkungen auf verschiedene Weise. Erstens sanktionieren sie die Suche nach Lagerstätten sowie die Förderung, Raffinierung und Verbrennung fossiler Brennstoffe. Zweitens eignen sie sich mit der Finanzierung von Projekten des privaten Sektors wie die industriellen Baumplantagen Land, Wasser und Luft an und unterhalten damit bereits das Leben und den Lebensunterhalt der Kommunen für neue Kohlenstoffmüllhalden der Industrien des Nordens.
- Die Weigerung, die Nutzung von Kohle, Öl und Gas auslaufen zu lassen, was durch den Kohlenstoffhandel weiter abgesichert wird, verursacht auch immer mehr militärische Konflikte auf der Welt und vergrößert damit die soziale und umweltbedingte Ungerechtigkeit. Im Gegenzug werden dadurch enorme Mittel in die Militärhaushalte geleitet, die sonst zur Unterstützung einer Wirtschaft auf der Basis erneuerbarer Energien und Energieeffizienz genutzt werden könnten.
Zusätzlich zu dieser Ungerechtigkeit werden die inneren Schwächen und Widersprüche des Kohlenstoffhandels die globale Erwärmung voraussichtlich eher schlimmer machen als sie zu "mildern". Bei CDM-Projekten z.B. kann nicht nachgewiesen werden, dass sie eine bestehende Menge Förderung und Verbrennung fossiler Brennstoffe "neutralisiert". Die Behauptung, dass sie dazu in der Lage wären, ist zunehmend gefährlich, weil sie die Illusion schafft, dass die Konsum- und Produktionsmuster besonders im Norden beibehalten werden könnten, ohne dem Klima zu schaden.
Wegen der Nachweisproblematik und ebenso dem Mangel an glaubhaften Vorschriften kann voraussichtlich niemand im CDM-Markt sicher sein, was er kauft. Ohne realisierbare Handelsware sind der CDM-Markt und ähnliche Handelsprogramme des privaten Sektors totale Zeitverschwendung, wenn die Welt eine kritische Klimakrise angehen muss.
Als absurden Widerspruch erleichtert die Weltbank dieses falsche, markt-basierte Herangehen an den Klimawandel mit ihrem Prototype-Kohlenstoff-Fonds, BioKohlenstoff-Fonds und dem Kohlenstoff-Fonds zur kommunalen Entwicklung, während sie gleichzeitig in viel größerem Maßstab die fortgesetzte Suche nach Lagerstätten, Förderung und Verbrennung fossiler Brennstoffe fördert - wovon viele für die zunehmenden Emissionen im Norden sorgen werden.
Daraus ist zu schlussfolgern, dass es nicht effektiver, demokratischer oder für das Wohl der Menschheit förderlicher sein wird, ‚dem Kohlenstoff einen Preis zu geben' als den Genen, Wäldern, der Artenvielfalt oder sauberen Flüssen einen Preis zu geben.
Wir bekräftigen erneut, dass die drastische Reduzierung der Emissionen aus fossilen Brennstoffen die Voraussetzung dafür ist, wenn wir die Klimakrise abwenden wollen. Wir bekräftigen unsere Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen, nach echten Lösungen zu suchen, die realisierbar und wirklich nachhaltig sind und nicht irgendwelche Randgruppen opfern.
Deshalb verpflichten wir uns, beim Aufbau einer globalen Basisbewegung für Klimagerechtigkeit zu helfen, die Öffentlichkeit auf der Welt zu mobilisieren und den Gegnern des Kohlenstoffhandels unsere praktische Solidarität zu versichern.
Unterschrieben am 10. Oktober 2004 Glenmore Centre, Durban, Südafrika
Die Unterzeichner des Durban-Meetings:
Carbon Trade Watch Indigenous Environmental Network Climate & Development Initiatives, Uganda Coecoceiba-Amigos de la Tierra, Costa Rica CORE Centre for Organisation Reserarch & Education, Manipur, India Delhi Forum, India Earthlife Africa (ELA) eThekwini Branch, South Africa FERN, EU FASE-ES/Green Desert Network Brazil Global Justice Ecology Project, USA groundwork, South Africa National Forum of Forest People And Forest Workers (NFFPFW), India Patrick Bond, Professor, University of KwaZulu Natal School of Development Studies, South Africa O le Siosiomaga Society, Samoa South Durban Community Alliance (SDCEA), South Africa Sustainable Energy & Economy Network, USA The Corner House, UK Timberwatch Coalition, South Africa World Rainforest Movement, Uruguay
Um diese Erklärung zu unterzeichnen, senden Sie bitte eine Email an
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oder besuchen Sie www.sinkswatch.org
(Übersetzung ins Deutsche am 29. Juni 2007: Bürgerbewegung für Kryo-Recycling und Kreislaufwirtschaft - www.total-recycling.org) [ Zurück ]
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